Sechs Schüler des BTG erlebten mit Unterstützung des europäischen Austauschprogramms Erasmus+ zwei spannende Wochen auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean.

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Am Ende der Herbstferien starteten drei Informatikschüler (FHR) und drei Auszubildende (Elektroniker für Betriebstechnik) in Begleitung der Lehrer Wolfgang Beneken und Andreas Thüner ihre Reise zur französichen Insel La Réunion im Indischen Ozean. Damit setzt das BTG den Austausch mit seiner Partnerschule im französischen St. Joseph erfolgreich fort. Ein halbes Jahr zuvor hatten uns bereits französische Schüler und Kollegen besucht und dabei ein mehrwöchiges Betriebspraktikum absolviert.  Nun sollten auch unsere Schüler und Lehrer zwei Wochen lang Einblicke in die Arbeitswelt und das Bildungssystem des Gastlandes gewinnen. 

Lange Anreise und herzliche Begrüßung

Die mehr als zehntausend Kilometer lange Anreise zum südlichsten Punkt der Europäischen Union erfolgte pe  Flug, wofür wir inklusive der Wartezeiten einen ganzen Tag benötigten.  

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Die Partnerschule, das Lycée Professionnel Paul Langevin in St. Joseph, liegt wenige hundert Meter vom Meer entfernt und beherbergt mehrere Abteilungen mit technischen Berufen, aber auch Kaufleute. Ungefähr 800 Schüler werden dort von 70 Lehrern unterrichtet, die in ihrer Arbeit durch zahlreiche Angestellte (Sozialarbeiter und -pädagogen, medizinisches Personal, Verwaltungsfachleute und Techniker) unterstützt werden. Im Gegensatz zum dualen System in Deutschland findet in Frankreich auch der praktische Teil der Berufsausbildung größtenteils in der Schule statt. Die Auszubildenden absolvieren während einer dreijährigen Berufsschulausbildung allerdings auch Praktika in verschiedenen Betrieben ihrer Branche über einen Zeitraum von insgesamt 20 Wochen.

Bei einem reichhaltigen Frühstück nach inseltypischer Art mit allerlei Früchten und mit vielen Gesprächen wurden wir von vielen Kollegen und der Schulleitung herzlich begrüßt und fühlten uns schnell willkommen. Nach einer informativen Führung durch die gesamte Schule wanderten wir an der nahen Küste entlang und kamen erstmals Kontakt mit dem „Südseefeeling“.

 

Elektronik unter Palmen

In den nächsten Tagen hielten wir uns im Elektrolabor der Schule auf, wo die Schüler – in Kleingruppen aufgeteilt –Projektaufgaben lösen mussten: unsere Elektroniker sollten eine Lampensteuerung zusammenbauen und programmieren, während die Informatiker mit Hilfe von Handbüchern und dem Internet ein Netzwerk einrichteten.

Zur Überraschung des begleitenden französischen Kollegen waren die Schüler sehr schnell damit fertig und  bereit, mehr zu erfahren und zu lernen. 

 

 

Der Weg der Lava

Allerheiligen  nutzten wir den arbeitsfreien Tag, um uns die Berge und an Ostküste der Insel anzuschauen. Von Meereshöhe aus fuhren wir innerhalb weniger Stunden durch die verschiedenen Klimazonen zum Vulkan hinauf. Eine steinwüstenähnliche Hochebene musste durchquert werden, bevor wir die Gipfelregion des Piton de la Fournaise erreichten, einer der aktivsten Vulkane der Erde. 

  

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 Am späten Vormittag begannen wir unseren Abstieg per Auto an die Ostküste, an die sich die Lavaströme regelmäßig ergießen. Ein beeindruckender Anblick! Denn regelmäßig wird ein Teil der Ostküste durch die Lavaströme des Vulkans zerstört, sodass nach jeder Eruption auch die Ringstraße wieder repariert werden muss. 

 

Zuckerrohr und Tourismus

La Réunion verfügt als Vulkaninsel über keine besonderen Bodenschätze und ist wegen seiner abgelegenen Lage kein bevorzugter Industrie- und Handelsstandort. Die Landwirtschaft leistet einen gewissen Anteil zur Selbstversorgung der Insel. Die einzigen nennenswerten Exportartikel sind Vanille und Zuckerrohr bzw. der daraus gewonnene Zucker und auch Rum.

Überall, wo es möglich ist, wird auf den Hängen und Feldern Zuckerrohr angebaut und von Hand geerntet. Diese Ernte wird an mehreren Standorten auf der Insel gesammelt, sortiert und mit Hilfe von speziellen Sattelzügen, den „Cachelots“ (eigentlich „Pottwal“) zu den beiden Zuckerfabriken gebracht.  

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Die Zuckerfabrik „Sucrerie du Gol“ in Saint-Louis war Ziel eines Nachmittags, nachdem wir einen weiteren Vormittag mit Arbeiten im Elektrolabor der Schule verbracht hatten. Das Prinzip ist einfach: Schreddern, einweichen, auspressen, den Saft erhitzen und den Sirup zur Kristallisation bringen. Das Ganze erfolgt  im industriellen Maßstab mit riesigen Hallen, Pressen, Kesseln und Tanks, überwacht von einer Leitstelle im 24/7-Betrieb, ist eine beeindruckende Anlage.

Der zweite, in der Entwicklung befindliche Wirtschaftsfaktor der Insel ist der Tourismus. Die Insel bietet neben einigen geschützten Badestränden vor allem ein Paradies für Bergwanderer und -sportler. Rund um den höchsten Gipfel der Insel, den 3000 Meter hohen Piton des Neiges, befinden sich zum Beispiel drei tief eingeschnittene gigantische Talkessel, die durch das Einsacken vulkanischer Zonen und durch die starke Erosion entstanden und geformt sind. 

An den nächsten Wochenenden nutzten wir die Gelegenheit, diese Täler und Plateaus zu besichtigen und uns von erfahrenen Kollegen über schmale Grate und durch malerische, ehemalige Sklavenstädte  führen zu lassen

 

Je ne parle pas français – égal!

Die zweite Woche unseres Aufenthalts führte unsere  Schüler in ihre Praktikumsbetriebe: Während die Informatiker sich auf mehrere Schulen in St. Joseph aufteilten, um dort die Mitarbeiter im IT-Support zu begleiten und zu unterstützen, ging es für die Elektroniker auf verschiedene Baustellen. Das war zum einen die Neuinstallation bei Altbaurenovierungen, zum anderen die Einrichtung von Anlagen in verschiedenen Neubauten. Wegen der langen Fahrtstrecken und wegen der zu befürchtenden Staus auf der einzigen Ringstraße rund um die Insel hieß das für manche von uns: Sehr früh aufstehen, um noch vor dem Morgengrauen am Treffpunkt zu sein, damit es rechtzeitig auf der Baustelle losgehen kann.

Die Sorge, dass die Schüler auf Sprachprobleme treffen würden, da kaum einer von ihnen Französisch und die  die Arbeitgeber nicht  Englisch sprechen konnten,  erwies sich zum Glück als unbegründet: entgegen dem Vorurteil, dass viele Franzosen nur ungern Englisch sprechen, konnten sich unsere Praktikanten und die Mitarbeiter in den Betrieben prima verständigen. Hilfreich war dabei natürlich der Umstand, dass alle Beteiligten Fachleute waren, die sich oft auch ohne viele Worte verstehen. Unsere Schüler erlebten dabei, dass sie nicht nur zuzuschauen hatten, sondern dass sie ihre bereits vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten in den Betriebsablauf sinnvoll einbringen konnten. In den Gesprächen mit den französischen Betreuern am Ende der Praktikumszeit hörten die Lehrer viel Lob über das Engagement und die Kompetenzen unserer Schüler!

 

Wo bitte liegt Syrien?

An unserem letzten Tag unseres Aufenthalts konnten einige unserer Schüler ein Versprechen einlösen: Auf Einladung  einer französischen Kollegin hielten sie vor 70 Schülern und Schülerinnen und zahlreichen Kollegen des Lycée Professionnel einen bildunterstützten Vortrag über ihr Heimatland Syrien, über den Krieg und ihre Flucht nach Deutschland. Die französischen Schüler waren sehr aufmerksam und tief beeindruckt, zum Teil auch bewegt. Beim anschließenden Austausch zeigten sie durch ihre Fragen reges Interesse und Einfühlungsvermögen in die besondere Situation der Flüchtlinge. Für uns war es wichtig, nach all der Gastfreundschaft, die wir in den vergangenen zwei Wochen durch das französische Kollegium erfahren hatten, ein wenig zurückgeben zu können! 

 

Au revoir et merci beaucoup!

Der letzte Abend in St. Joseph brachte noch einmal alle zusammen: In unserer Unterkunft begrüßten wir zum Abschlussessen unsere französischen Kollegen, den Schulleiter mit seiner Frau und nicht zuletzt auch unsere Vermieter. Die beiden hatten uns in den zwei Wochen nach Kräften unterstützt und uns viele Dinge ermöglicht. Wir riefen noch einmal mit vielen Bildern die Geschehnisse unserer Zeit auf La Réunion in Erinnerung und waren uns einig: Diese guten Erlebnisse miteinander, dieser intensive Austausch und die Erfahrungen im Berufsalltag des Gastlandes, das alles müsste ziemlich genau das sein, was das europäische Austauschprogramm Erasmus+ erreichen möchte!

 

 

Text: Wolfgang Beneken/ Andreas Thüner

Fotos eingereicht von  Schülern und begleitenden Lehrern

auf der Homepage implementiert von S. Jeske, BTG

 

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